Von Berlingo | 25. März 2026
16 Grad im Vorfrühling – die Zahlen lügen nicht, auch wenn es sich noch frisch anfühlt. Das eMTB ist geladen, die neue DJI Neo (meine „Nano Banana“) im Rucksack und ab geht es mit dem RE2 in den Spreewald. Mein Ziel: Die weiten Randgebiete um Vetschau und Raddusch, wo das Hobbyfliegen noch Raum hat und die Geschichte des Strukturwandels an jeder Ecke aus dem Boden schlägt.
Vetschau: Glas-Skelette und Kraftwerks-Geister
Der Start in Vetschau ist zunächst ernüchternd. Die Bahnhofsruine ist ein Vorbote dessen, was mich öfter begleiten wird: Aufgegebene Betriebsversuche. Doch nur ein paar Straßen weiter, in der Pestalozzistraße, wartet eine fotogene Kulisse der besonderen Art. Über 20 Gewächshausruinen aus DDR-Zeiten (ca. 1970–1980) reihen sich hier aneinander. Einst wurden sie mit der Fernwärme des benachbarten Kraftwerks gespeist – heute sind die stählernen Glasbauten nur noch skelettartige Zeugen einer versiegten Energiequelle.
Apropos Kraftwerk: Mein digitaler Tourplaner schickte mich auf die Suche nach Kühltürmen, doch die Riesen sind längst verschwunden. Wo einst das Herz der DDR-Energie schlug, wächst heute ein moderner Industriepark. Ein innerstädtischer Wandel, der leise vollzogen wurde.
Wer schon mal hier ist, sollte den Abstecher zum Schloss Vetschau mit seinem Park nicht verpassen – eine der wenigen verbliebenen Pracht-Attraktionen der Stadt.
Vetschau, die „arme“ Stadt ohne eigenen Spreewaldhafen, hatte ihre Blütezeit als stolze Ackerbürgerstadt und später als industrielles Zentrum. Heute sucht sie zwischen leerstehenden Geschäften und charmanten Relikten wie der Wendisch-Deutschen Doppelkirche nach einer neuen Identität. Siehe meine Fotos von der kleinen Altstadt im betexteten Cloud-Fotoalbum.
Einen ersten Drohnenstopp lege ich an einer klassischen DDR-Garagenanlage ein. Dank „Follow Me“-Modus begleitet mich die kleine Drohne über das Areal. Dabei entdecke ich ein architektonisches Kuriosum: Jemand hat hier aus drei Garagen eine kreative Einheit gemacht – inklusive echter Fenster!
Das Rätsel der Slawenburg: Saison-Aus statt Frühlingsgefühle
Weiter geht es Richtung Raddusch. Vor dem Eingang der bekannten Slawenburg treffe ich auf ein bemoostes Relikt der jüngeren Vergangenheit: Ein blauer Info-Punkt der IBA Fürst-Pückler-Land. Von 2000 bis 2010 war die Burg das stolze Leitprojekt des Wandels in der Lausitz.
Doch die Ernüchterung folgt am Tor. Wer zu Ostern einen Ausflug plant, sollte den Blick lieber von außen genießen. Die Zettel am Gitter sind unmissverständlich: Geschlossen wegen Insolvenz. Seit dem 20. Februar 2026 ruht der Betrieb. Ein herber Schlag für die Region – und das bei 13 Euro Eintritt. Die DJI Neo erlaubt mir immerhin einen neugierigen Blick über den Wall auf den Nachbau, der hier auf historisch belegtem Boden steht.
Über Fließe und Kolonien nach Burg
Die Fahrt führt mich weiter durch den Naturhafen Raddusch, wo die ersten Kähne für mutige Gäste bereitstehen, und über die typischen Holzbrücken der Kanäle. In der Ersten Kolonie mache ich halt vor einem Fassadenkunstwerk, das mich schmunzeln lässt: Eine anmutige Sagengestalt entsteigt dem Kahn, während direkt daneben eine moderne Wärmepumpe im Kiesbett brummt. Der Clou: Die vermeintliche Holzstruktur des Hauses ist täuschend echt aufgemalt – eine perfekte Illusion der Tradition.
Ein weiteres Highlight ist der Bismarckturm in Burg. Dieses rote Backstein-Monstrum auf dem Hügel (erbaut 1915–1917) ist architektonisch ungewöhnlich. Während viele Bismarcktürme als wuchtige „Feuersäulen“ konzipiert waren, wirkt dieser Klinkerbau mit seinem großen Rundbogen fast sakral oder wie ein byzantinischer Wehrturm. Er nutzt das typische Material der Gegend und thront majestätisch über der Festwiese.
Oster-Mysterien in Dissen
Auf dem Weg nach Cottbus mache ich einen Abstecher zum Heimatmuseum Dissen. Sorbische Tradition wird hier großgeschrieben, besonders vor Ostern. Doch ein Fund vor Ort wirft Fragen auf: Zwei riesige, wunderschön verzierte Ostereier liegen vor dem Fachwerkhaus. Welches Tier bitteschön legt diese Eier?
Hier eine (KI-generierte) Antwort meiner „Nano Banana“:
Dissen macht ernst: Wenn die sorbischen Ostereier so groß werden, dass man sie mit dem eMTB umrunden muss. Ein (KI-generierter) Blick auf das, was passiert, wenn die Tradition über sich hinauswächst. In der Realität sind die Eier im Heimatmuseum zum Glück kleiner, aber nicht weniger beeindruckend verziert.
Das Finale: Ein Farbenrausch zum Abschluss
Den architektonischen Paukenschlag hebt sich die Tour für das Ende auf: Das IKMZ der BTU Cottbus. Die futuristische Bibliothek von Herzog & de Meuron wirkt wie ein gelandetes Raumschiff mit ihrer buchstabenbedruckten Glasfassade. Im Inneren wartet ein echter Farbenrausch: Die leuchtenden Wendeltreppen und das konsequente Design (ja, sogar die Badezimmer sind ein immersives neongrünes Erlebnis!) sind der perfekte Kontrast zur grauen Vorwende-Architektur.
Nach 49 Kilometern endet die Reise am Nordausgang des Cottbuser Hauptbahnhofs. Der RE2 nach Berlin wartet schon. Ein perfekter Tag zwischen Drohnentechnik, verlorenen Orten und modernem Lausitzer Glanz.
Tour-Daten:
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Strecke: ca. 49 km (Vetschau – Raddusch – Burg – Dissen – Cottbus)
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Highlights: Slawenburg (Außenansicht), Bismarckturm, IKMZ Cottbus
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Ausrüstung: eMTB, DJI Neo, Google Pixel
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Karte: [Link zu Komoot]

