Der 28. Mai 2025 zeigt sich von seiner ungemütlichen Seite. Statt einer langen Wanderung steht heute das Industriemuseum Chemnitz im Fokus meiner Reise durch die Kulturhauptstadt. Ein passender Rahmen, denn es gibt heute auch einen Geburtstag zu feiern…
Das Gedächtnis der Stadt: Das Industriemuseum
Schon der Weg dorthin ist Chemnitz pur. Auf dem Weg zur Tramlinie 1 grüßt der „Nischel“ – das monumentale Karl-Marx-Monument – durch den Regenschleier.
Manche Orte tragen ihren Ruf wie eine schwere Last. In Chemnitz war dieser Ort über Jahrzehnte die rund 230 Meter lange Fußgängerunterführung am Hauptbahnhof, die das Zentrum mit dem Sonnenberg verbindet. Ihr Name im Volksmund: „Bazillenröhre“. Ein Begriff, der nach Feuchtigkeit, Dunkelheit und einem Ort klang, den man nach Einbruch der Dämmerung lieber mied.
Doch im Zuge der Stadtentwicklung – und mit dem Rückenwind der Kulturhauptstadt 2025 – hat Chemnitz hier ein städtebauliches Ausrufezeichen gesetzt. Rund drei Millionen Euro flossen in die Sanierung des längsten Fußgängertunnels der Stadt.
Chemnitz war erfolgreich die Europäische Kulturhauptstadt im Jahr 2025. Doch wer bei diesem Titel nur an Opernhäuser und Museen dachte, machte die Rechnung ohne den rauen, ehrlichen Charme dieser Stadt. Eines der zentralen Flagship-Projekte hieß schlicht und ergreifend: #3000Garagen.
In Ostdeutschland, und speziell in Chemnitz mit seinen rund 30.000 Exemplaren, sind das eben keine simplen Abstellkammern für Autos. Zu DDR-Zeiten, als Wohnraum knapp und Material Mangelware war, wurden diese Höfe in Eigenleistung hochgezogen.
Manchmal liegen die größten Überraschungen direkt um die Ecke, verborgen hinter vertrauten Kiezwegen. Eigentlich wollten Susann und ich an diesem Freitagnachmittag im März nur eine kleine Runde drehen, um die letzten Strahlen der Wintersonne einzufangen.
Doch bewaffnet mit der exzellenten Stadtkarte von Mapy.cz stießen wir auf einen Ortsteil, der uns bisher völlig entgangen war: die Spreestadt Charlottenburg.
Was als kurzer Spaziergang geplant war, entwickelte sich zu einer faszinierenden Zeitreise zwischen industrieller Vergangenheit und modernster Stadtarchitektur.
Ein Lieblingsobjekt unsere vielen Wanderjahre ist bis heute die Neue Hakeburg im Wald zwischen Kleinmachnow und dem Teltowkanal. Also nahe bei Berlin und immer leicht erreichbar. Sogar mit dem Bus 😃.
Seit einiger Zeit ist die Hakeburg als Bauprojekt tatsächlich ein faszinierendes Beispiel dafür, wie ein einst verlassener Ort in absolutes High-End-Betongold verwandelt wird.
Hier ist ein kompakter und topaktueller (Anfang 2026) „Hakeburg-Pressespiegel“, wunderbares Hintergrundwissen für geschichtsinteressierte Outdoor-Fans und Hobby-Historiker:
1. Wer steckt dahinter? (Die Investoren)
Die Initiatoren: Das Projekt wurde ursprünglich von der Berliner Skyland Gruppe (unter CEO Bernd Ehret) angeschoben, die das Areal 2020 aus dem Dornröschenschlaf geholt hat. Zur Finanzierung wurde sogar zwischenzeitlich ein Crowd-Investing-Projekt (über die Plattform „Rockets“) gestartet, bei dem Kleinanleger Geld in die Hakeburg pumpen konnten.
Die Eigentümer: Offiziell läuft das Bauprojekt über die Hakeburg Grundbesitz GmbH. Interessantes Detail am Rande: Diese Gesellschaft gehört zu über 94 Prozent der zypriotischen Firma „OTT Partners“ des französischen Immobilien-Tycoons Jean-François Ott (Gründer der ORCO Group). Hier fließt also massiv internationales Kapital.
2. Was genau wird gebaut?
Das Projekt ist dreigeteilt und vermischt den Denkmalschutz mit modernem Luxus:
Die alte Burg: Hier entstehen 14 hochexklusive Wohnungen.
Die Remise / Das Torhaus: Hier werden 3 Wohneinheiten saniert (genau das Torhaus an der lauten Straße, über das du dich heute auf deiner Tour gewundert hast – es wird aktuell tatsächlich als eine Art „Einfamilienhaus-Variante“ beworben).
Der Neubau: In der Baugrube, die du fotografiert hast, wachsen zwei komplett neue, moderne Villen-Gebäude mit insgesamt 16 Eigentumswohnungen und einer riesigen Tiefgarage (mit beheizbarer Rampe!) heran.
3. Der Zeitplan (Warum es so lange dauert)
Du hattest völlig recht mit deiner Vermutung, dass das Projekt eigentlich längst fertig sein sollte (ursprünglicher Plan war 2023/2024).
Aktueller Stand: Laut neuesten Berichten (u. a. aus der Lokalpresse wie dem BÄKE Courier im Herbst 2025) peilt der Investor für die Hauptgebäude nun Ende 2026 an.
Das Torhaus/Die Remise: Diese Teile sollen sogar erst im Laufe des Jahres 2027 oder Anfang 2028 bezugsfertig sein. Die Baustelle wird Kleinmachnow also noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Der „Tag der offenen Tür“ im August 2025 (den du auch erwähnt hast) war eine große PR-Aktion, um die Gemüter etwas zu beruhigen und den Baufortschritt zu beweisen.
4. Die Preise (Eine Klasse für sich)
Deine Verwunderung über die fette Immobilienwerbung am Bauzaun ist absolut berechtigt, denn hier wird das absolute Luxus-Segment bedient. Verschiedene Makler (wie Dahler, Profi Select oder QUIN Investment) vermarkten die Einheiten massiv.
Kostenpunkt: Die Preise starten bei etwa 470.000 Euro für die allerkleinsten Einheiten (ca. 49 qm) und enden bei schwindelerregenden 1,9 bis 2,2 Millionen Euro für die großen Dachgeschoss-Maisonette-Wohnungen.
Wer das Torhaus am Zehlendorfer Damm kaufen möchte, muss laut aktuellen Exposés knapp 1,4 Millionen Euro auf den Tisch legen.
Dieses als interessante Pointe für den letzten Blogbeitrag zur Hakeburg. Wo früher ostdeutsche Forstgeschichte und Lost-Place-Romantik regierten, parken demnächst die SUVs in der Tiefgarage mit beheizter Auffahrt.
Siehe also den Ausflugsbericht mit aktuellen Fotos vom Stand der Baustelle im November 2025:
Es war einer dieser goldenen Herbsttage am 25. November 2025, an denen man einfach aufs Rad steigen muss. Das Ziel für diese eMountainbike-Tour stand schon lange fest: eine Wiederkehr zur Neuen Hakeburg. Seit unseren alten „Lost Place“-Wanderzeiten übt dieses Areal eine magische Anziehungskraft aus. Doch was ist aus dem verlassenen Gemäuer geworden, seitdem dort ein massives Luxus-Umbauprojekt gestartet ist?
Eine Übersicht aller Blogposts. so wie die Crawler der Suchmaschinen sie hier als sogenannte „Sitemap“ sehen, ist standardmäßig mit der „versteckten“ URL https://unterwegs.illustriertewelt.de/sitemap_index.xml zu finden.
Die dort gelisteten XML Dateien interpretiert allerdings nicht jeder Browser als lesbare Webseite, sie sind eigentlich auch nicht public.
Weiter geht’s. Neues Jahr – neue Unterwegs-Abenteuer. Im kalten Winter beginnen wir mit Kurzstrecken zum Warmmachen. Glühwein, Handschuhe sind dabei, manchmal sind Grödel erforderlich, so eisig ist dieser Winter.
Wie schon 2025 – auch in diesem neuen „Protokoll“ führen die Track-Links in der Tabelle zu den Aktivitäten bei Strava. Zusätzlich Komoot Touren in 60 sec Videoclips. Jeweils mit Daten, Track im Kartenausschnitt und einigen Fotos.
Bei Komoot sieht es so aus.
In den Komoot Kommentaren sind jeweils auch viele Originalfotos in Cloud-Alben verlinkt. Für die neuen #myKomoot Video Stories ist hinsichtlich der Gestaltung allein Komoot verantwortlich. Im Videoplayer kann die Qualität optimiert werden.
Auf fünf Tageswanderungen, die wir je nach Lust und Laune und Wetter gemacht haben, sind wir von Erkner in Brandenburg bis zur Mündung in die Havel in Spandau gewandert.
Immer entlang des schöneren, möglichst grünen „Strand“ am Ufer der Spree. Das klappt natürlich nicht immer. Wir sind in der Großstadt, auf dem Stadtgebiet von Berlin!
Hier ist das Doku-Material mit Tracks, Routen, Bilderalben…
Joshua Meissner ist Radreisender und schreibt unter anderem für BIKEPACKING.com. Seine Recherchen, Profile und Essays begleitet er mit seiner Fotografie. Joshua studiert Mensch-Technik-Interaktion im Master Human Factors an der TU Berlin.
Für die Nachrichten-Website Netzpolitik.org, dem „Medium für digitale Freiheitsrechte“, verfasste Meissner eine ausführliche Analyse zum Ausverkauf des Potsdamer Freizeitportals Komoot.
Der Artikel erwähnt auch eine heranwachsende Komoot-Alternative: Wanderer.to. Siehe auch dazu eine Kurzbemerkung am Ende dieses Posts.
Hier ist eine Zusammenfassung des Beitrages von Netzpolitik.org:
Der Fall Komoot: Wenn aus „Community“ ein Geschäftsmodell wird
Der Verkauf der beliebten Outdoor-App Komoot Anfang 2025 sorgt für Kritik. In einem Gastbeitrag auf Netzpolitik.org analysiert Joshua Meissner, warum die Geschichte von Komoot ein Paradebeispiel für den systematischen „Verrat“ an digitalen Gemeinschaften durch kapitalistische Verwertungslogik ist.