Am Samstag, den 2. Mai 2026, steht ein besonderes Highlight in meinem Kalender. Während sich halb Berlin beim Baumblütenfest in Werder drängt, schlage ich mich in die Büsche – oder besser gesagt: auf den Telegraphen-Radweg.
Mein Plan: Eine 54 Kilometer lange Tour von Werder (Havel) bis nach Kirchmöser, die drei Epochen der Kommunikation und Fortbewegung verbindet und dabei die Geschichte von Lilienthal (Denkmal, Museum) einbezieht.
Der Plan: Kommunikation im 19. Jahrhundert trifft auf Drohnen-Tech 2026
Der rote Faden dieser Tour ist die Königlich-Preußische Optische Telegraphenlinie, die ab 1832 Berlin mit Koblenz verband. Damals dauerte eine Nachricht über 588 km nur knapp 15 Minuten – High-Tech pur für die damalige Zeit. Ich werde auf meiner Route die Stationen 6, 7 und 8 ansteuern.

- Start in Werder & Fuchsberg: Um den Massen zu entgehen, starte ich bereits um 8 Uhr am Bahnhof Werder. Mein erster Stopp ist der Fuchsberg, um die morgendliche Weite der Havel-Landschaft einzufangen.
- Lilienthals erste Sprünge am Spitzberg: Bei Kilometer 10 wartet ein echter Gänsehaut-Moment für jeden Flugbegeisterten. Auf dem Spitzberg bei Derwitz unternahm Otto Lilienthal 1891 seine ersten erfolgreichen Gleitflüge. Das dortige Denkmal ist fest für meine DJI Neo 2 eingeplant – ein Top-Down-Shot der stilisierten Flügel aus der Vogelperspektive ist ein Muss.
- Station 6 – Schenkenberg: Hier steht ein originalgetreu nachgebauter Telegraphenmast. Der Kontrast zwischen der hölzernen Mechanik von 1832 und den modernen Windparks am Horizont wird ein starkes Motiv für das Google Pixel.
Der Marienberg: Wo Preußen auf die DDR-Moderne trifft
Das Herzstück der Tour wird der Marienberg in Brandenburg an der Havel (69 m ü. NN). Für alle Stadterneuerungs-Interessierten ist dieser Ort ein Freilichtmuseum der Zeitgeschichte:
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Die Friedenswarte: Ein 32,5 Meter hoher Stahlbetonturm aus dem Jahr 1974, der auf dem Sockel der alten Bismarckwarte errichtet wurde. Mit seinen fünf verglasten Aussichtsebenen ist er ein Wahrzeichen der DDR-Moderne.
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180 Stufen: Wer die Aussicht genießen will, muss die Beine nach den ersten 30 Rad-Kilometern noch einmal fordern. Die Belohnung ist ein Blick bis zu 60 Kilometer weit in die märkische Landschaft.
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Die Telegraphenstation Nr. 7: Direkt neben dem Turm schließt sich der Kreis zur optischen Telegraphie.
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Mops-Alarm: Natürlich schaue ich auch bei den berühmten Waldmöpsen vorbei – eine Hommage an Loriot, die an den Weinberg-Terrassen „wildern“.
Finale in Kirchmöser: Industriekultur & Seegarten-Idylle
Von Brandenburg aus geht es über die neue „Grünachse“, einen frisch sanierten Uferweg auf ehemaligen Industriebrachen, Richtung Westen. Der Endpunkt meiner Tour ist die Halbinsel Kirchmöser.
Hier treffen wir auf die monumentale Industriearchitektur des frühen 20. Jahrhunderts. Mein Ziel ist der Seegarten, wo die Backsteinbauten der alten Pulverfabrik und das ehemalige Klubhaus der Eisenbahner eine fast filmreife Kulisse bilden. Es ist der perfekte Ort, um die Insta360 noch einmal kreisen zu lassen, bevor ich am Bahnhof Kirchmöser in den RE1 steige.
Ausrüstung & Vorbereitung
Das Wetter verspricht sonnige 24°C – ideale Bedingungen für die Flugakkus der Drohne und das MTB. Ich werde die Tour live dokumentieren und freue mich besonders darauf zu sehen, wie sich die Informationstafeln des Industrierpfads nach ihrer umfassenden Erneuerung im letzten Jahr präsentieren.

Es gibt übrigens auch einen „Lilienthal-Radweg“ in Brandenburg. Der natürlich auch nach Stölln führt, dem Absturz-Ort des Flugpioniers. Mehr hier im Blog:
„Der Lilienthal Radweg: Dem Traum vom Fliegen entgegenradeln„
WARNUNG
Ich habe mir fast geschworen – kein VBB mehr an sonnigen Wochenenden! Vor allem nicht Richtung Norden!
Nun, jetzt nach den kalten Frühlingstagen soll es ausgerechnet am langen Wochenende warm und sonnig werden. Ich kann wohl nicht widerstehen.
Daher das:
Das Wochenende rund um das Baumblütenfest ist erfahrungsgemäß die größte Belastungsprobe für den RE1, daher sind ein paar „VBB-Überlebensstrategien“ für den 2. Mai Gold wert:
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Einstiegs-Taktik am Zoo: Da der RE1 aus Richtung Ostkreuz und Alexanderplatz kommt, sind die Fahrradabteile am Bahnhof Zoo oft schon gut gefüllt. Wenn es zeitlich passt, ist ein Einstieg am Hauptbahnhof oder Friedrichstraße sicherer, um einen der begehrten Plätze zu ergattern, bevor die großen Massen zusteigen. – Ich möchte daher als früher Vogel den etwa 8-Uhr-Zug nehmen.
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Fahrrad-Tickets 2026: Für die Tour durch das gesamte Netz (Werder bis Kirchmöser) ist die 24-Stunden-Karte Fahrrad für das VBB-Gesamtnetz für 7,50 € die stressfreiste Option. Ein Einzelfahrausweis Fahrrad kostet aktuell 4,60 €.
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Die „Werder-Lücke“ nutzen: Das Gute an deiner Route: Der Großteil der Fahrgäste wird in Werder den Zug verlassen. Ab dort wird es im RE1 Richtung Brandenburg und Kirchmöser schlagartig leerer und entspannter für dein E-MTB.
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Mitnahmegarantie: Der VBB weist ausdrücklich darauf hin, dass die Fahrradmitnahme bei Platzmangel nicht garantiert werden kann; Rollstühle und Kinderwagen haben Vorrang. Sollte ein Zug extrem voll sein, ist es oft besser, 20-30 Minuten auf den nächsten zu warten, statt sich und das Rad in den Türbereich zu quetschen.
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RE1-Bauarbeiten: Achte kurz vor Abfahrt auf aktuelle Meldungen zu kurzfristigen Gleissperrungen oder Schienenersatzverkehr zwischen Brandenburg Hbf und Kirchmöser, da im Mai oft Instandhaltungsarbeiten an der Strecke stattfinden.
Mit dem frühen Start um 8:00 Uhr sollte ich also den meisten Tagestouristen ohnehin einen Schritt voraus. Bin selbst gespannt – die Kombination aus Technik-Geschichte und Flugpionier-Geist gefällt mir sehr!