Es war einer dieser goldenen Herbsttage am 25. November 2025, an denen man einfach aufs Rad steigen muss. Das Ziel für diese eMountainbike-Tour stand schon lange fest: eine Wiederkehr zur Neuen Hakeburg. Seit unseren alten „Lost Place“-Wanderzeiten übt dieses Areal eine magische Anziehungskraft aus. Doch was ist aus dem verlassenen Gemäuer geworden, seitdem dort ein massives Luxus-Umbauprojekt gestartet ist?
Der grobe Plan stand, die Route im Mapy.cz war geladen – und erfreulicherweise bin ich am Ende sogar nur minimal von der Route abgekommen. 😉
Alle Original-Fotos hier im kommentierten Cloud-Album, zusätzlich viele Fotos aus der Zeit bis 2024
Im Grunewald.
Vom Großstadtdschungel
hinauf auf den Gipfel
Die Tour startete spektakulär urban. Von der Ostpreußenbrücke (Neue Kantstraße) bot sich ein faszinierender Blick auf die Mega-Baustelle am Funkturm-Dreieck.
Gleich nebenan das ICC – nach dem Tag der offenen Tür 2025 sind die Türen nun wieder fest verschlossen. Derzeit dient der futuristische Bau als Kulisse für Filmarbeiten zum neuen Tribute von Panem-Teil.
Vorbei an „meiner alten“, immer noch aktiven Tennishalle an der Waldschulallee ging es dann endlich in die Natur.

Der Track in der exzellenten Mapy-Map: 56,3 km
https://mapy.com/s/jopovogoga
Erstes Etappenziel: der Drachenberg. An so einem sonnigen Tag war ich dort oben natürlich nicht allein, etliche Schulklassen hatten den gleichen Gedanken für ihren Wandertag.
Die Aussicht war dennoch grandios. Das Teleobjektiv fing sowohl das neue Hochhaus am Alexanderplatz als auch die markanten Kuppeln der ehemaligen Field-Station auf dem benachbarten Teufelsberg ein.
Tiefer im Grunewald steuerte ich den Pechsee an. Wer hier offenes Wasser erwartet, wird überrascht: Die Ökoplattform lässt den See heute eher als eine weite Moorwiese erahnen.
Ein romantisches Muss auf dieser Strecke ist das historische Forsthaus „Alte Saubucht“. Seit über 200 Jahren atmet dieser Ort die Geschichte der Forstwirtschaft und Jagd im Grunewald. Heute gibt es hier zur Stärkung frischestes Trinkwasser aus einem Brunnen (und praktischerweise direkt nebenan eine nutzbare Toilette).

Mit gefüllter Flasche ging es an den Endanstieg hinauf zum Havelberg. Mit 97 Metern ist er die höchste, echte, weil natürliche Erhebung des Grunewaldes.
Her sei Vorsicht erwähnt: Vom Gipfel führt ostwärts ein versteckter Downhill-Trail hinunter. Dieser Weg ist unfassbar gefährlich und absolut nicht befahrbar!
Blätterwald, versperrte Wege
und historische Grenzen
Wieder sicher im Flacheren, ließ ich den Blick von der Wannseebrücke Richtung Strandbad und Insel Schwanenwerder schweifen – drüben bei Loretta am Wannsee laufen bereits die Vorbereitungen für das Winterprogramm.
Im Düppeler Forst wurde es dann abenteuerlich. Der späte Herbst hatte die unzähligen Wanderpfade mit einem dicken, raschelnden Laubteppich bedeckt.

Bei den vielen Kreuzungen und Abzweigen rund um den Sender auf dem Schäferberg half nur noch der ständige, genaue Blick auf die Handy-Navigation, um auf Kurs zu bleiben. Die Natur darf hier übrigens Natur sein: Viele alte Bäume haben ihr natürliches Lebensende erreicht und bleiben im Wald.
Das hat allerdings auch Schattenseiten. Am Finkenberg (Ecke Nikolskoer Weg) wollte ich eigentlich einen der Eingänge zum Glienicker Park nutzen. Doch der Park war komplett abgesperrt. Die Stadt scheint die Grünpflege hier vorerst eingestellt zu haben, da akute Gefahr durch umstürzende Bäume droht.
Auch auf dem Böttcherberg reihten sich die Absperrungen aneinander. Der Wanderweg hinab in die Tallandschaft? Geschlossen. Immerhin konnte ich an der wunderschön restaurierten, aber leider ebenfalls verschlossenen Belvedere Loggia Alexandra durch die große Fensterfront einen Blick ins Innere erhaschen.
Über den Hirsch- und Moritzberg führte mich der Roedenbecksteig schließlich zur Hubertusbrücke über den Griebnitzkanal – inklusive kurzem Blick über den Zaun in den Garten eines Edel-Italieners.

Durch den Teerofenweg, unter der Bahnstrecke Wannsee-Potsdam hindurch, erreichte ich den Teltowkanal. Hier atmet die Strecke pure Geschichte: Die heutige Teltowkanalbrücke war einst eine Autobahnbrücke.
Direkt am Mauerweg wie hier an der alten Autobahnbrücke erinnert eine der vielen Opfergedenkstelen an die Teilung der Stadt.
Von der benachbarten Brücke der alten Friedhofsbahn zeugen heute nur noch die steinernen Brückenköpfe, das Mittelteil wurde schon vor Jahren ausgehoben.
Das Herzstück der Tour:
Die Baustelle Neue Hakeburg
Über den Waldweg Dreilinden und die Schleuse in Kleinmachnow ging es endlich hinauf zum eigentlichen Ziel des Tages: der Neuen Hakeburg.

Seit meinem letzten Besuch im Oktober 2024 und vor allem seit den Jahren davor hat sich das Gesicht dieses Ortes radikal verändert.
Wo vor kurzem noch ein riesiges, ausgebaggertes Sandloch klaffte, steht nun der massive Rohbau einer Tiefgarage. Im Moment scheint die Baustelle in diesem Bereich allerdings zu ruhen.
Das Haupt- und das Nebengebäude sind mittlerweile komplett in Gerüste gehüllt. Die neuen Dächer sind drauf, die Fenster sind eingesetzt.
Auch an der Südseite wurde offensichtlich viel Aufwand betrieben, um die historische Fassade wiederherzustellen. Wenn man bedenkt, dass dieses Projekt bereits 2020 startete und eigentlich 2024 abgeschlossen sein sollte, ahnt man, wie komplex dieser Umbau ist.

Ein fast schon skurriler Anblick: Direkt neben dem durchgeplanten Luxus-Ensemble trotzt der kleine, steinerne Ein-Mann-Wachbunker aus alten DDR-Zeiten unbeirrt der Zeit.
Unten am stark befahrenen Zehlendorfer Damm erwartete mich dann am Torhaus die nächste Überraschung. Großformatige Werbebanner am Zaun preisen die Immobilien nun zum Verkauf an – sogar als klassisches Einfamilienhaus.

Die Architektur mag beeindruckend sein, aber die Frage drängt sich auf: Wer möchte hier, direkt an dieser lauten und trubeligen Verkehrsader, wirklich wohnen?
Ein Rennen gegen die Zeit
Noch während ich auf dem Zehlendorfer Damm in Kleinmachnow ein altes Museumsfahrzeug bewunderte, dämmerte mir plötzlich ein logistisches Problem. Die Sonne stand bereits extrem tief und tauchte die Straße in ein schummriges Licht. Ein Blick in den Rucksack bestätigte meine Befürchtung: Ich hatte meine Beleuchtung zu Hause vergessen! Musste das Handy wieder als Notbeleuchtung herhalten?
Vor mir lagen noch fast 20 Kilometer Rückweg. Es wurde ein ziemlich rasanter Schlussspurt durch die aufkommende Dunkelheit – ein absolut würdiges, wenn auch etwas hektisches Ende für eine großartige Entdeckungstour!
Und das allergrößte Ding – klärte sich erst nächsten Morgen auf – warum das Treten trotz Unterstützung zum Schluss immer schwerer wurde:
Das Bike stand nun mit plattem Hinterrad auf dem Balkon. Ich ließ mir wochenlang Zeit mit der Reparatur. Die Saison war damit abgeschlossen. Und es war nur ein winziges Loch im Schlauch. Wieder einmal – das ist schon öfter passiert. Die großen 28,5 Zoll Räder mit den fetten Schwalbe-Nobby-nic-Decken erlauben bei höherer Geschwindigkeit noch flottes Fahren, auch wenn die Luft langsam rausgeht.

Der Track zur Tour bebildert bei Komoot