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Eberswalde, Stadtwanderung mit einigen Überraschungseffekten

LETZTE ÄNDERUNG am Freitag 26. Mai 2023 12:08 durch Berlingo


16,7 km Stadttour Eberswalde: Ralph und ich begannen unsere Wanderung am Bahnhof Eberswalde und bewegten uns an der Straße entlang erstmal zum nächsten Bäcker 😁.

Von einer Stadt im Wald, mit Mega Denkmälern, einer dicken Barbara, veganen Erdbeertörtchen, kunstvollen Brücken, Treppen und Plätzen, einer Mühle am rauschenden Bach, Berg- und Tal-Feelings und jeder Menge kleiner Überraschungen.


Eberswalde, Industriestadt im Wald

Eberswalde, auch Waldstadt genannt, liegt inmitten bewaldeten Gebietes im Landkreis Barnim. Schon im 14. Jahrhundert besaß die Gemeinde Waldflächen in beträchtlicher Größe, darunter Erholungswald als auch Naturschutzgebiete. Der Stadtforst ist gleichzeitig auch Wirtschaftswald.

Bis zur Wende herrschte hier die Schwerindustrie. Es wurden industrielle Großbetriebe wie eine Eisenspalterei, Kupferverarbeitung und Messingwerke angesiedelt. Manche Ortsteile sind nach der industriellen Nutzung benannt.

Beim veganen Bäcker Wiese, in der ehemaligen Prachtstraße Friedrich-Ebert-Straße, gönnten wir uns je einen Latte Macchiato und ein Erdbeertörtchen.  Hier ist alles vegan, sehr lecker.

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Veganes Bäckerhandwerk an der Friedrich-Ebert-Straße, sehr lecker

Danke, Bäcker Wiese
03334 38966280
https://maps.app.goo.gl/GE56j4dKv1L3Mj2h8

Gleich gegenüber konnten wir den Kubus der Bibliothek der Hochschule für nachhaltige Entwicklung bestaunen. Die besonders leisen elektrischen Oberleitungsbusse in Eberswalde waren ebenfalls sehr interessant, denn auf vielen Strecken sahen wir noch ganz alte Modelle, die wunderschön restauriert das Stadtbild bereicherten.

Kunstvolle Hauswände, außergewöhnliche Skulpturen und Brückenkunst säumten unseren Weg. Vor dem Eberswalder Museum entdeckten wir dann die Flussgöttin Finow, die mit einem Fluss verschmolz. Die Künstlerin Gudrun Sailer aus Eberswalde erstellte diese Bronze 2013 her.

Regenbogen-Schirme am Rathaus

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Rathaus Eberswalde, ein Statement für Vielfalt

Das Rathaus am Marktplatz wurde Jahre 1905  im Historismus erbaut. Ein Baustil, der die Architekturelemente aus zwei Jahrtausenden verbindet. Das hatte nicht nur einen dekorativen Effekt, sondern symbolisierte die Werte und das Selbstbild der Stadt, die viele arbeitssuchende Menschen aus aller Welt anzog.

Das Rathaus war mit bunten Regenbogenschirmen und Blumenarrangements geschmückt. Hier auch ein Hinweis auf die Abstimmung über das Bürgerbudget, das jedem Bürger ein Grundeinkommen zusichert, wodurch sich keiner als Bittsteller fühlen muss.

Paul-Wunderlich-Haus

Das Paul-Wunderlich-Haus ist das Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum von Eberswalde. Es beherbergt eine der weltweit größten Ausstellungen dieses Malers, Zeichners, Bildhauers und Grafikers, der 1927 in Eberswalde geboren wurde und dessen Werke auf der ganzen Welt in namhaften Galerien und Museen zu bewundern sind.

Die Ausstellungen waren leider nicht geöffnet und so passierten wir den Vorraum und schauten uns dann die fantastischen Statuen im Hof an, die sehr futuristisch gestaltet sind.

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Paul Wunderlich Haus, Skulpturen im Hof

Die dicke Barbara und ihre Kirche

Jetzt erklommen wir die Maria-Magdalenen-Kirche die stattlich auf einer Anhöhe lag. Bedauerlicherweise war der Turm nicht zugänglich, da es vor einiger Zeit gebrannt hat. Am Außentor waren Kästen angebracht, dort konnte man sich einen Segen To Go und geistliche Texte mitnehmen. Als wir jedoch die Boxen öffneten, waren diese leer. Schade, denn die Idee fanden wir klasse.

Die große Glocke, St. Barbara genannt, thront auf einem Block rechts des Kircheneingangs. Sie war ursprünglich Turmglocke der Maria-Magdalenen-Kirche und ist ein qualitätsvolles Beispiel der spät-mittelalterlichen Glockengießkunst.

Architektur mit Stadtmauer vereint

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Die alte Stadtmauer von Eberswalde

Anschließend sahen wir uns noch die Überreste der alten Stadtmauer an und staunten über die Lösungen, die für die angrenzenden Gebäude gefunden wurden, wie zum Beispiel eine Tür in der Mauer, um das Gebäude dahinter nutzen zu können.

Im Tourismusbüro erfuhren wir dann noch, das man die Turmbesteigung im Zoo nur machen kann, wenn man dort auch wieder Eintritt bezahlt. Das hat uns nicht so gefallen, hatte etwas von Abzocke.

Die Goethestreppe

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Im weiteren Verlauf der Wanderung kamen wir an wunderschönen Villen vorbei und in der Ferne sahen wir eine lange Treppe. Wir hatten die Idee, diese Treppe mit in die Tour aufzunehmen und freuten uns dann über die Entdeckungen, die folgten um so mehr.

Am Ende der Treppe standen wir nun in einem weitläufigen Park und anschließend in einem bergigen Wald. Es war als wären wir in die Natur gebeamt worden. Schmale fast zugewachsene Pfade führten uns bergauf und bergab durch eine schöne Landschaft, in der wir wieder ganz allein unterwegs waren.

Waldstudien

Seit 1830 befindet sich die Forstakademie auf der Anhöhe des Stadtwaldes. Hier wird über nachhaltige Forstwirtschaft und den Klimawandel geforscht.

Auf dem Berg angekommen dann das Gelände des Thünen-Instituts für Waldökosysteme und der Wald-Campus der Hochschule für nachhaltige Entwicklung, alles wie ausgestorben, kein Mensch zu sehen und die Grünflächen am Verwildern. Es ist schon erstaunlich wie schnell die Natur sich der verlassenen Geländes bemächtigt.

Am Ende entdeckten wir noch ein anderes Gelände aus längst vergangener Zeit. Die Gebäude, erbaut 1938, ähnelten denen am Bogensee sehr und alles scheint noch gut in Schuss. In den Innenräumen konnten wir Präparate in Arbeit und jede Menge dazu benötigter Materialien entdecken. Es sah aus, als wenn alles hastig und plötzlich verlassen wurde.

Nachdem wir nun diese Anhöhe verlassen hatten, ging es wieder durch Waldgelände, immer bergab. Auf dem Jakobsweg Via Imperii, Sczencin PL -Berlin DE, dann weiter bis zu einer Mühle an einem kleinen See gelegen.

Die Mühle am rauschenden Bach

In der Zainhammer Mühle wurden um 1780 herum Zaineisen gehämmert. Aus diesen Platten und Stangen fertigte man dann Scheren und Messer. Zu einem späteren Zeitpunkt malten die Eberswalder hier Tierknochen, die zu Ammoniak verarbeitet wurden.

Nach einem Brand 1868 wurde sie als Getreidemühle wieder aufgebaut und ist jetzt eine Werkstatt für Künstler, die Lesungen, Ausstellungen, Konzerte und Kunstkurse veranstalten. Als wir vorbeikamen bereiteten ein paar Künstler gerade eine Ausstellungseröffnung für den Abend vor.

Das Brandenburgische Viertel

Im weiteren Verlauf gingen wir am Zoo vorbei, überquerten Bahnschienen und landeten im Brandenburgischen Viertel. Jede Menge Plattenbauten in unterschiedlichen Zuständen. Während am Anfang wunderschön bunte und herausgeputzte Gebäude zu sehen waren, entdeckten wir auch einfachere Ausstattungen bis hin zu entmieteten und verlassenen Häusern. Hier kann man gut erkennen, dass es durchaus möglich ist, diese Gebäude nett herzurichten und ansprechend zu präsentieren.

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Plattenbauten hübsch zurechtgemacht an der Lausitzer Straße

Durch die Inbetriebnahme eines damaligen Schlacht- und Verarbeitungskombinats zogen viele Menschen nach Eberswalde und so mussten schnell Wohnungen für sie bereitgestellt werden. Das 82 ha große Areal wurde ab 1977 als größtes Neubaugebiet von Eberswalde angelegt. 1992 wohnten hier über 10.000 Menschen, doch nach der Maueröffnung zogen viele Bewohner in den Westen oder bauten sich Eigenheime in der Umgebung.

Aufgrund des hohen Leerstandes wurde um die Jahrhundertwende mit dem Rückbau begonnen und das ganze Gelände großzügig und Familienfreundlich gestaltet, mit Einkaufszentrum, Schulen, Kitas und Freizeitmöglichkeiten. Und seit 2014 wächst auch die Zahl der Bevölkerung wieder, was auch aus dem Zuzug von Geflüchteten herrührt.

Der Familiengarten

Jetzt führte unser Weg Richtung Finowkanal, aber vorher haben wir uns noch den Familiengarten angesehen. Das ehemalige Buga-Gelände bietet viel Unterhaltung und kurzweilige Zerstreuung für Alt und Jung.  Skulpturen, die größte Taschenuhr der Welt und viele Mitmachangebote lockten jede Menge Menschen an.

https://youtube.com/shorts/hRa3mdKLDyY?feature=share

Besonders gefallen hat mir das Haus der Antriebsräder für die Walzung und Schneidung von Stahl. Dieses Gebäude war restauriert und innen in pink illuminiert. Die riesigen Antriebsräder lassen einen erahnen, welche Ausmaße diese Industrie hier gehabt hat.

Kranbesteigung und Dampflokbesichtigung

Wenigstens einen der Türme wollten wir uns noch ansehen. Den Kran, der auf einer Anhöhe lag. Auf dem Weg dorthin war noch eine alte Dampflok zu bestaunen. Je näher ich dem Kran kam, umso mulmiger wurde mir. Aber ich wollte unbedingt da rauf. Der Treppenturm neben dem Kran war aus Stahl und hatte Stufen durch die man nach unten schauen konnte, schluck.

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Familiengarten, Krahnbesteigung

Absatz für Absatz, den Blick stoisch nach vorn gerichtet, erklommen wir eine Stufe nach der anderen. Ein gutes Training für meine Lunge und meine Höhenangst. Glücklich strahlte ich, als ich die Plattform schnaufend erreichte und den Ausblick in vollen Zügen genoss.

Eberswalder Höhenpass

Zum Ende bleibt noch folgendes zu sagen: Es gibt in Eberswalde ich Möglichkeit den Eberswalder Höhenpass mit der Ersteigung von 4 Türmen zu erlangen. Grundsätzlich eine sehr schöne Idee, aber die Türme stehen in unterschiedlichen Parks zu denen man jeweils Eintritt zahlen soll, was ich ganz schön unverschämt finde.

Am Treidelweg entlang begaben wir uns dann auf den Weg zum Bahnhof.

Das war diesmal eine sehr umfangreiche Wanderung mit vielen neuen Eindrücken und Herausforderungen. Bis auf den Höhenpass kann ich auch alles empfehlen. Übrigens, der Kirchturm soll zum Herbst auch wieder besteigungsfertig repariert sein.

Jetzt der Verfolgungstrack!

https://www.komoot.de/tour/462271959?ref=aso

und die Fotos:

Die etwas andere Höhenwanderung in Eberswalde
Von einer Stadt im Wald mit Mega Denkmählern, einer dicken Barbara, veganen Erdbeertörtchen, kunstvollen Brücken, Treppen und Plätzen, einer Mühle am rauschenden Bach, Berg- und Tal-Feelings und jeder Menge kleiner Überraschungen.
Bahnhof Eberswalde
Die etwas andere Höhenwanderung in Eberswalde
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