Von Berlingo
Manchmal braucht es einen zweiten Anlauf. Nach einem etwas zu frühen Osterbesuch im Britzer Garten hat der Frühling nun inzwischen nach zwei weiteren Wochen auch in Marzahn mit voller Wucht zugeschlagen.
Bei strahlendem Sonnenschein und zweistelligen Temperaturen ging es für uns am Mittwoch, den 22. April, wieder einmal in die Gärten der Welt – ein Ort, der wie kaum ein anderer in Berlin den Spagat zwischen internationaler Gartenkunst und urbaner Transformation meistert.
Der Flug über das Wuhletal
Die Reise beginnt nicht am Boden, sondern in der Luft. Der Seilbahn-Flug vom U-Bahnhof Kienberg ist weit mehr als ein Transportmittel; es ist ein schwebender Perspektivwechsel.

Unter uns glitzert der Wuhleteich, während am Horizont die weiße Silhouette der Marzahner Hochhäuser wie ein geordnetes Architekturmodell aufragt.
Es ist dieser Kontrast – die weiche Natur des Wuhletals gegen die harten Kanten der Großsiedlung –, der den Reiz dieses Einstiegs ausmacht.
US-Träume und botanische Farborgien
Gleich nach der Landung wartet eine herrlich kuriose Installation: Der „Peoples Park“. Beim ersten Blick hält man die US-Installation tatsächlich für einen echten Parkplatz, inklusive Kunststoff-Palmen. Ein krasses Stück „California Dreaming“ mitten in Berlin.
Botanisch gesehen ist der Park aktuell eine einzige Farborgie. Zehntausende Blumenzwiebeln, viele davon von Fans des Gartens gespendet, verwandeln die Beete in ein Meer aus Tulpen.
Besonders der Englische Nutzgarten mit seinen „Feuertulpen“ und der Dahliengarten (der im Frühling fest in der Hand von Beetblumen ist) schreien förmlich nach dem Google Pixel. Wer hier keine Fotos für die Freunde macht, ist selbst schuld.
Architektur der Stille: Orient und Asien
Ein Highlight für Architektur-Fans bleibt der Orientalisch-Islamische Garten. Die kühlen Fliesen und die Springbrunnenanlage bilden eine abgeschlossene Welt, die in ihrer Symmetrie fast meditativ wirkt.
„Changing Planet 2026“: Die Welt durch junge Augen im Saal der Empfänge am Orientalischen Garten
Ein absolutes Highlight für alle, die über den botanischen Tellerrand schauen wollen, ist die Fotoausstellung „Changing Planet“.

Dass dieses Projekt der jungen Generation im prachtvollen Saal der Empfänge des Orientalisch-Islamischen Gartens gastiert, ist ein genialer Kontrast. Während der Garten selbst eine zeitlose, fast paradiesische Ruhe ausstrahlt, zeigen die über 100 Fotografien von Berliner Schüler*innen und jungen Erwachsenen die fragile Realität unserer Welt im Umbruch.
Die Ausstellung, die in Kooperation mit dem Umweltbildungszentrum (UBZ) Kienbergpark entstanden ist, widmet sich brennenden Themen wie „Stadtnatur auf dem Schulhof“ oder der globalen Plastikmüll-Problematik.
Es ist beeindruckend zu sehen, mit welcher kreativen Energie die junge Generation ihre Perspektive auf die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt dokumentiert.
Eines wird hier klar: Die Gärten der Welt sind 2026 nicht nur eine „Farborgie“ für das Auge, sondern auch ein wichtiger Ort für den gesellschaftlichen Diskurs über unsere Zukunft. Ein Besuch, der zum Nachdenken anregt – direkt neben den kühlen Brunnen des Orients.
Die nächste Station ist der „Spudel-Garten“. Jeder Brunnen blubbert anders. Hier wachsen auch viele Rhododendron Sorten heran.
Und im natürlich schwülen Tropenhaus wird ein hinduistischen Thailand-Dorf gleich mit mehreren Tempeln angedeutet. Das Dorf befindet sich in einem dichten Dschungel mit schmalen Pfaden.
Ein schöner Kontrast dazu ist der Koreanische Garten, der aus Seoul/Südkorea spendiert wurde: Ein Pavillon, der majestätisch auf Felsen thront, umgeben von Schutzgeistern (Zang Sung) und einem plätschernden Bergbach.

Den Rundgang erreicht man über eine steinige Hintertreppe – unbedingt begehen! Sonst entgehen dir die typischen koreanischen Totempfähle (Zang Sung) und kleinere Figuren (Buk Su), die als Schutzgeister dienen. Der Blick über den Bergbach zum Pavillon ist ein Foto-Muss.
Im Japanischen Garten wird es dann streng: Die kunstvoll geharkten Kiesflächen werden bewacht – Betreten verboten! Dafür entschädigen die imposant blühenden Kirschen, die in ihrem strahlenden Weiß und Rot den japanischen Frühling perfekt nach Marzahn importieren.
Vom Suchen und Finden: Irrgarten-Abenteuer & Plan-Pannen
Eine echte Challenge wartete am Ende der Rundreise: Der Irrgarten. Das Ziel ist der Ausblick im Zentrum – und der knifflige Weg zurück zum Ausgang.
Während ich dank Mapy.cz-Navi ein wenig mogelte (wir hatten schließlich keine Zeit!), war das menschliche Drama um mich herum großartig: Eine sichtlich verwirrte Familie rief verzweifelt durch die Hecken: „Wir haben Mutti verloren!“ – ein Lacher, der den Tag perfekt abrundete.
Wer Mutti (oder den Ausgang) behalten will, muss denselben Weg zurückgehen oder eben digital nachhelfen.
Ein wichtiger Berlingo-Tipp für alle Entdecker: Obwohl ich digital bestens aufgestellt bin, habe ich eines schmerzlich gelernt: Den Papier-Parkplan am Eingang oder im Infozentrum mitzunehmen, ist ein absoluter Pflicht-Termin. Unterwegs ging uns unser Exemplar nämlich verloren, was dazu führte, dass wir den Jüdischen Garten schlichtweg verpasst haben. In einem Areal dieser Größe ist die analoge Orientierungshilfe eben doch der Rettungsanker, wenn man kein Highlight auslassen möchte.
Technik am Horizont: Drohnen und Irrgärten
Mitten in der Idylle wird es technisch. Die Vorbereitungen für die Drone-Art-Show laufen auf Hochtouren. Tausende Stühle stehen bereit – wer 60 Euro investiert, darf das Spektakel erleben.
Wir haben uns die Show gespart und stattdessen die Challenge im Irrgarten gesucht. Kleiner Tipp vom Profi: Wer keine Zeit hat, nutzt das Mapy.cz-Navi zum „Schummeln“, um den Aussichtspunkt im Zentrum zu finden.
Das Finale: Über den Wolken
Der Rückweg führte uns wieder hinauf zur Bergstation Wolkenhain. Die weiße Stahlkonstruktion wirkt bei klarem Wetter fast schwerelos. Der 360-Grad-Blick reicht vom Berliner Fernsehturm – ohne den die Stadt einfach kein Gesicht hätte – bis zum fernen Teufelsberg.
Nach einem kurzen Stopp im Café „Wolke 7“ schwebten wir schließlich wieder hinunter ins Wuhletal. Wer noch Energie hat, kann sich unten auf der Natur-Bobbahn austoben, die seit 2024 wieder in Betrieb ist.
Fazit: Der Kienberg-Park (der übrigens kostenlos zugänglich ist) und die Gärten der Welt sind im April 2026 eine unschlagbare Kombination. Man bekommt hier nicht nur Natur, sondern auch eine ordentliche Portion Berliner Stadtentwicklungsgeschichte serviert.

Alle unseren großen, bunten Wanderfotos dieser Tour hier in der Cloud
Berlingos 3-Insider-Tipps für den Gärten-Check
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Analog-Backup ist Pflicht: Auch wenn das Smartphone voll geladen ist: Schnappt euch am Eingang oder im Infozentrum den Papier-Parkplan. Uns ist er unterwegs abhandengekommen, und schwupps – den Jüdischen Garten haben wir glatt verpasst. In einem Areal dieser Größe ist der Überblick auf Papier unschlagbar.
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Navi-Hacks für den Irrgarten: Wer nicht wie die verzweifelte Familie enden will, die lautstark durch die Hecken rief: „Wir haben Mutti verloren!“, braucht digitale Präzision. Aber Vorsicht: Standard-Karten versagen hier oft. Nutzt Apps wie Mapy.cz oder Komoot, die auf OSM-Detailkarten setzen. Nur dort sind die Hecken-Pfade so präzise verzeichnet, dass man den Ausgang (und Mutti) sicher wiederfindet.
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Die entspannteste Anreise Berlins: Vergesst komplizierte Routen. Nehmt die S5 bis Wuhletal und wechselt dort einfach am selben Bahnsteig gegenüber in die U5. In knapp 30 Minuten ab Berlin Mitte landet ihr direkt an der Talstation Kienberg. Stressfreier kommt man in Berlin kaum ins Grüne.
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Verlaufen in den Gärten der Welt ist eigentlich unmöglich. Aber für ein gezieltes Anlaufen der schönsten bzw. wichtigsten POIs ist ein Plan zu Navigation hilfreich. Und manchmal muss es dann doch Komoot sein 🤣: „Gemacht: BERLIN. Gärten der Welt mit Seilbahn und Kienberg Wolkenhain“
„Eure Weltreise beginnt hier“ – so die Werbeaussage des schönen Video-Intros auf der Website der Gärten der Welt:
www.GaertenderWelt.de
Betreiber vieler städtische Grünanlage ist die landeseigene „Grün Berlin GmbH“ mit Sitz in Mariendorf.
Mit dem Portal www.Campus-Stadt-Natur.de wird die Mission „Berliner Stadt Natur“ verfolgt. Besonders auch in den Gärten der Welt.
Siehe auch
