Spreewanderung in der Goldenen Stunde Collage

Entdeckung vor der Haustür: Die Spreestadt Charlottenburg in der Goldenen Stunde

Manchmal liegen die größten Überraschungen direkt um die Ecke, verborgen hinter vertrauten Kiezwegen. Eigentlich wollten Susann und ich an diesem Freitagnachmittag im März nur eine kleine Runde drehen, um die letzten Strahlen der Wintersonne einzufangen.

Doch bewaffnet mit der exzellenten Stadtkarte von Mapy.cz stießen wir auf einen Ortsteil, der uns bisher völlig entgangen war: die Spreestadt Charlottenburg.

Wer die volle Pixel-Pracht sucht: Hier geht es zum großen, kommentierten Fotoalbum in der Cloud. Neu: Alternativ kannst du die Bilder direkt im Beitrag anklicken und entspannt durch die Lightbox-Galerie klicken.

Was als kurzer Spaziergang geplant war, entwickelte sich zu einer faszinierenden Zeitreise zwischen industrieller Vergangenheit und modernster Stadtarchitektur.

Der Weg ist das Ziel: Vom Landwehrkanal zur Spree

Unser Startpunkt war die Corneliusbrücke. Wer Berlin kennt, weiß, dass der Landwehrkanal zu jeder Jahreszeit seinen eigenen Charme hat.

Doch an diesem Tag bot sich ein bizarres Bild: Während auf dem Neuen See noch eine tückisch dicke Eisschicht lag, schienen die Berliner den Frühling regelrecht herbeizuzwingen.

Spreewanderung - Alle großen Originalfotos  im Cloud Album
Alle großen Originalfotos  im Cloud Album

Auf den Wiesen, die eigentlich noch tief im Winterschlaf steckten und kaum die ersten Frühblüher im Laub zeigten, spielten junge Leute leicht bekleidet, als stünde der Hochsommer vor der Tür.

Sogar vor dem Restaurant Le Mont Liban war zumindest ein Tisch schon in Nutzung, auch wenn der Service wohl noch auf den offiziellen Saisonstart wartete.

Wir folgten unserem gewohnten Weg weiter Richtung Westen.
Am „Turn- und Freizeitzentrum Wulle“ und dem einladenden , gleichnamigen Restaurant und Biergarten dort im Haus begann der eigentliche Spaziergang.

Auf dem naturnahen „Rattenweg“ – der heißt offiziell wirklich so – am Wasser entlang und dann über den Wullenwebersteg. Hier bogen wir rechts ab – und betraten eine für uns völlig neue Welt, die Berlin von einer ganz neuen, fast maritimen Seite zeigt.

Architektur-Ensemble am Spreeufer: Das No. 1 und der Caspar-Wegely-Platz

Zuerst passierten wir das imposante Wohnensemble „No. 1 Charlottenburg“. Die Architektin Caroline Stahl hat hier ein Quartier geschaffen, das mit seinen zwei neungeschossigen Wohntürmen wie ein modernes Stadttor zur Spree fungiert. Die Fassaden aus wertvollen Materialien und die bodentiefen Fenster spiegelten das warme Licht der Goldenen Stunde bereits prachtvoll wider.

Am Wilhelm-Caspar-Wegely-Platz
Am Wilhelm-Caspar-Wegely-Platz – Klick zum Fotoalbum

Direkt daneben erreichten wir den Wilhelm-Caspar-Wegely-Platz. Der Name erinnert an den Gründer der ersten Berliner Porzellanmanufaktur im Jahr 1751 – ein passender historischer Ankerpunkt, da die Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM) unmittelbar angrenzt. Am Platz selbst sticht das „House of Healing“ ins Auge. Ein moderner Solitär, der durch seine Transparenz und Leichtigkeit besticht. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich diese Neubauten in die Uferlandschaft einfügen.

Akademische Eleganz am Salzufer

Vorbei am KPM Hotel & Residences führte uns der Weg zum vertrauten Salzufer. Ein kurzer Stopp an der beeindruckenden E-Tankstelle von Mercedes-Benz erinnerte uns daran, wie weit die Transformation des ehemaligen Industriestandortes bereits fortgeschritten ist.

Doch das eigentliche architektonische Juwel in diesem Abschnitt ist das Gebäude der Berlin International University of Applied Sciences.

The Berlin International University of Applied Scienes
The Berlin International University of Applied Scienes

Als staatlich anerkannte Fachhochschule, in der Englisch die Hauptsprache ist, versprüht der Ort eine internationale Campus-Atmosphäre. Die Architektur des Büros Patzschke & Partner verdient hier besondere Beachtung: Das Gebäude bricht mit der Langeweile glatter Glasfassaden. Das tief gegliederte, weiße Raster wirkt wie eine moderne Interpretation klassischer europäischer Stadtbaukunst.

In der tiefstehenden Sonne entstehen hier markante Licht- und Schattenspiele, die die Fassade fast wie eine Skulptur wirken lassen. Mein Google Pixel hatte hier ordentlich zu tun, um diese Kontraste im HDR-Modus perfekt einzufangen.

Ein mächtiger Granitblock mit einer Bronzetafel am Wegesrand mahnte uns zur historischen Einordnung: Er erinnert an die Grundsteinlegung für das neue Quartier am Salzufer am 18. September 2002. Es ist beeindruckend, was hier in gut zwei Jahrzehnten aus dem Boden gewachsen ist.

Das Highlight: Kleihues + Kleihues und die Müllverladestation

Am östlichen Spreeuferweg stießen wir auf eine Kuriosität der Stadtplanung. Der Uferweg macht hier einen umständlichen, etwas versteckten Umweg um ein Ensemble, das früher wohl kaum jemanden angelockt hätte: eine ehemalige Müllverladestation der BSR aus dem Jahr 1937.

Erst Müllumladestation, jetzt Architekturbüro
Erst Müllumladestation, jetzt Architekturbüro

Wo früher Berliner Hausmüll von LKWs auf Schiffe umgeladen wurde, hat sich heute das renommierte Architekturbüro Kleihues + Kleihues niedergelassen.

Man könnte fast scherzen, dass hier heute statt Unrat hochkomplexe Entwürfe „hochgeladen“ werden.

Die Sanierung ist ein Meisterwerk des „Industrial Reuse“. Die sachliche Ziegelarchitektur mit der charakteristischen, weit auskragenden Kranbahn wurde behutsam erhalten.

Wenn der rote Backstein in der Goldenen Stunde leuchtet, wird die industrielle DNA Berlins auf schönste Weise sichtbar. Von hier aus hat man zudem einen freien Blick auf die alten Speicherhäuser am gegenüberliegenden Ufer, die stolz ihre modernisierten Fassaden in der Spree spiegeln.

Abschied mit dem Gründer-Geist

Zum Abschluss unserer Runde erreichten wir die Gotzkowskybrücke. Hier trafen wir auf einen alten Bekannten: den „Gründer-Geist“. Diese markante Skulptur der Künstlergruppe „Inges Idee“ scheint über das Viertel zu wachen.

Der Gründergeist
Der Gründergeist

In der Abenddämmerung wirkt die Figur fast magisch. Laut Google Maps ist dieses Kunstwerk „rund um die Uhr geöffnet“ – und tatsächlich scheint der Geist im wechselnden Licht der Dämmerung immer wieder sein Gesicht zu verändern.

Erschöpft, aber voller neuer Eindrücke, kehrten wir schließlich in die Café- und Speisenwirtschaft „Wulle“ im Sportzentrum zurück. Der kleine Biergarten ist ein echter Geheimtipp, um den Tag bei einem Kaffee Revue passieren zu lassen.

Die Spreestadt Charlottenburg hat uns gezeigt, dass Berlin immer noch Ecken hat, die uns überraschen können. Architektur, Geschichte und die besondere Stimmung am Wasser verschmelzen hier zu einem Erlebnis, das ich jedem Stadtentdecker nur wärmstens ans Herz legen kann.

Berlingo


Spreewanderung - Alle großen Fotos im Cloud Album
Spreewanderung – Alle großen Fotos im Cloud Album
Alle Fotos im scharfen Vollformat hier im kommentierten Album in der Google Fotos Cloud:
https://photos.app.goo.gl/mgMCWKZA9sSJasmXA

Spreerunde in der Goldenen Stunde - Strava Track
Spreerunde in der Goldenen Stunde – Der Strava Track

Und die Tour-Daten zum Nachwandern: Den kompletten Track als Route findet ihr auch hier bei Komoot: https://www.komoot.com/de-de/tour/2813685604

Und ein kleines #myKomootStory-Video gibts auch 🤣.


 

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