Von Berlingo
Berlin ist eine Stadt des ständigen Wandels, eine Metropole, die ihre Zukunft oft auf den Fundamenten ihrer Vergangenheit baut. Wer hier mit dem Fahrrad unterwegs ist, rollt nicht selten an Orten vorbei, die einst das pulsierende Herz der deutschen Industrialisierung bildeten.
Dass diese Orte heute nicht nur stumme Zeugen der Zeit sind, sondern im Vorbeiradeln lebendig und erfahrbar werden, ist maßgeblich der Arbeit des Berliner Zentrums Industriekultur (bzi) zu verdanken.
bzi- und andere Radtouren in Berlin findet Ihr ausführlich beschrieben und bebildert HIER im Blog.
Genau dieses unermüdliche Engagement wurde nun von höchster Stelle gewürdigt: Die Fahrradrouten der Berliner Industriekultur haben den diesjährigen Engagementpreis „Fahrrad Berlin“ 2026 gewonnen!
Für mich persönlich ist diese Nachricht eine ganz besondere Freude. In den vergangenen Jahren durfte ich das bzi immer wieder bei der Erstellung und Konzeptionierung neuer Industriethemen-Radrouten durch die Stadt unterstützen. Bei vielen Touren war ich selbst im Sattel dabei, habe die Entwicklung der Strecken hautnah miterlebt und in diesem Blog bereits mehrfach über die Faszination dieser Wege berichtet. Dieser Preis ist eine hochverdiente Anerkennung für ein großartiges Team.
Mit dem Rad auf Entdeckungstour: Freizeit und Tourismus im Fokus
Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt verleiht den undotierten Engagementpreis gemeinsam mit dem FahrRat bereits seit 2007. Ziel ist es, Initiativen und Projekte sichtbar zu machen, die einen herausragenden Beitrag zur Fahrradstadt Berlin leisten und als Vorbild für eine lebenswertere, grünere Stadt dienen.
In diesem Jahr stand der Preis unter dem passenden Leitthema „Mit dem Rad auf Entdeckungstour: Freizeit und Tourismus“. Die offizielle Verleihung fand durch Arne Herz, den Staatssekretär für Mobilität und Verkehr, im Rahmen der Fahrradmesse VELOBerlin statt. Ausgezeichnet wurden neben dem bzi auch weitere inspirierende Projekte wie die Fahrradwerkstätten für Geflüchtete und die engagierte Realraum-Radfahrprüfung in Lichtenrade. Doch für alle, die Berlin architektonisch, historisch und aktiv entdecken wollen, sind die Routen des bzi das absolute Highlight.
Berlin als Open-Air-Museum der Industriekultur
Was macht die Routen des bzi so besonders? Sie verwandeln die Stadt in ein riesiges, frei zugängliches Open-Air-Museum. Statt grauer Theorie bieten sie Industriegeschichte zum Anfassen – oder besser gesagt: zum Erfahren.
Insgesamt gibt es mittlerweile acht sorgfältig ausgearbeitete Fahrradrouten, die Berlinerinnen, Berliner und Gäste der Stadt zu geschichtsträchtigen Orten abseits der klassischen Touristenpfade führen. Sie verbinden architektonische Meisterwerke der Gründerzeit, monumentale Fabrikhallen, alte Kraftwerke, historische Bahntrassen und versteckte Wohnsiedlungen der Arbeiterklasse.
Pünktlich zum Start der aktuellen Fahrradsaison wurde mit der Route „Warmes Licht und kühles Bier“ die erste dieser acht prämierten Strecken offiziell und durchgehend im Stadtbild beschildert. Die Route führt Radbegeisterte auf den Spuren der Berliner Licht- und Brauindustrie durch die Kieze und zeigt eindrucksvoll, wie stark die industrielle Entwicklung das heutige Stadtbild und die Berliner Lebenskultur geprägt hat. Von den monumentalen Bauten der AEG bis hin zu den historischen Brauereiareälen in Prenzlauer Berg oder Friedrichshain – die Mischung aus Bewegung, urbaner Erkundung und historischem Tiefgang ist einzigartig.
Ein starkes Netzwerk für die Berliner Radkultur
Der Erfolg des Projekts basiert nicht zuletzt auf der engen Zusammenarbeit mit der Berliner Fahrrad-Community und externen Unterstützern, die die Strecken testen, historisches Hintergrundwissen beisteuern und die Routen mit Leben füllen. Durch die geführten Touren und das umfangreiche Informationsmaterial gelingt es dem bzi zudem, auch jüngere Generationen spielerisch an die Kunst, die Architektur und die Geschichte ihres eigenen Stadtteils heranzuführen.
Für alle Leserinnen und Leser meines Blogs, die nach Inspiration für das nächste Wochenende suchen: Die Routen des bzi eignen sich hervorragend für Entdeckungstouren mit dem E-Mountainbike, dem klassischen Trekkingrad oder bei gemütlichen Ausflügen mit Freunden. Sie bieten unzählige Motive für die Smartphone-Fotografie oder spektakuläre Perspektiven für die Kamera.
Ausblick: Die Reise geht weiter
Die Auszeichnung mit dem Engagementpreis „Fahrrad Berlin“ ist ein Meilenstein, aber noch lange nicht das Ende der Reise. Sie zeigt, wie wichtig die Verknüpfung von nachhaltiger Mobilität, Naherholung und historischer Bildung in einer wachsenden Metropole ist.
In den kommenden Wochen werde ich hier im Blog einige der Routen noch einmal im Detail vorstellen, mit meinen bisherigen Posts verlinken und euch aktuelle Eindrücke von den Strecken mitbringen. Packt die Kameras ein, pumpt die Reifen auf und geht auf Entdeckungstour durch das industrielle Herz Berlins!
Weitere Informationen zu den ausgezeichneten Projekten und den Routen findet ihr direkt auf den Seiten der Senatsverwaltung und beim Berliner Zentrum Industriekultur.